Neues aus der Arbeitswelt

US-Unternehmen in Deutschland: Hire, fire and forget?

Was unterscheidet die Arbeit in US-Unternehmen in Deutschland von der Arbeit in einheimischen Betrieben? Wie sind die Bedingungen?


Die fortschreitende Globalisierung bringt es mit sich, dass große Unternehmen weltweit ihren Arbeitnehmerbedarf oder Produktionskapazitäten auch mit Niederlassungen in Deutschland decken wollen. Dazu können sie auf heimische Arbeitskräfte zurückgreifen. Das prominenteste Beispiel bildet zur Zeit natürlich der US-Automobilhersteller Tesla, der in seiner Fabrik in Grünheide bis zu 10.500 neue Mitarbeiter einstellen möchte. In diesem Fall ergeben sich in der Praxis eine ganze Reihe komplizierter Detailfragen: zu Sozialversicherungspflicht, Lohnsteuer, Arbeitserlaubnis, zu Betriebsstätten des Arbeitgebers in Deutschland und mehr. Aber auch allgemeine Fragen wie etwa zur Tarifbindung amerikanischer Unternehmen in Deutschland und dem Arbeitsalltag in Unternehmen in den USA, der oft alles andere als leicht ist. Was würde das für einen Arbeitnehmer in Deutschland bedeuten? Dazu muss man erstmal einen Blick auf die alltäglichen Arbeitsbedingungen in den USA werfen: US-Unternehmen in Deutschland - Wie sind die tatsächlichen Arbeitsbedingungen in den USA? In den USA gibt es Millionen Arbeitnehmer ohne Krankenversicherung. Arbeitgeberverbände gibt es keine, ebensowenig Flächentarifverträge. Während bei uns Beschäftigte, die in einem Betrieb ohne Tarifvertrag arbeiten, zumindest einen Betriebsrat gründen können, steht Amerikanern dieses nicht zu. Nach US-Recht wäre ein Betriebsrat illegal, weil das Gremium nicht als vom Arbeitgeber unabhängige Organisation gilt. Neben allen Regelungen, die man auch aus deutschen Tarifverträgen kennt, müssen also auch Interessensvertretungsstrukturen in Amerika per Tarifvertrag vereinbart werden. Dasselbe gilt für die Kranken- und Rentenversicherung. US-Unternehmen in Deutschland - Gewerkschaften in den USA? Fehlanzeige „Echte“ Gewerkschaften gibt es in den USA nur bei den größten der traditionellen Autohersteller Ford, General Motors und Fiat-Chrysler. Nur dort vereinbart die Gewerkschaft Standards und Interessenvertretungsstrukturen, die mit den deutschen sehr vergleichbar sind. Vertrauensleute übernehmen die Aufgaben, die bei uns Betriebsräte leisten. Soziale Ungleichheit in den USA das bestimmende gesellschaftliche Thema Diese Situation hat zur Folge, dass mehr als 40 Prozent der amerikanischen Arbeitnehmer mit Niedriglöhnen auskommen müssen. Das Problem ist so groß, dass sich eine Massenbewegung mit Namen „Fight for 15“ gegründet hat, die den Mindestlohn auf 15 Dollar anheben will. Die massive Ungleichheit eines der wichtigsten Themen im Land geworden ist, die Amtszeit des noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump hat sicherlich nicht zur Entspannung der Lage beigetragen. Zeitarbeit als Gegenpol zu Arbeitsverhältnissen in Wildwest-Manier Stellt man diese prekären Verhältnisse in den USA dem deutschen Modell der Zeitarbeit gegenüber, wird schnell klar, dass hierzulande viele Arbeitnehmer vielleicht doch besser dastehen, als allgemein angenommen wird. Die Zeitarbeit bildet mit ihren gesetzlich verbriefte Rechten für Arbeitnehmer (Tarifbedingung, Zuschläge etc.) und ihren Flächentarifverträgen ein stabiles und existenzsicherndes Fundament für viele Arbeitnehmer in Deutschland. Unter dem Gesichtspunkt der immer weiter fortschreitenden Globalisierung mir immer mehr importierten Arbeitsverträgen auf unsicherer Grundlage, wird dieses Arbeitsmodell aufgrund seiner stabilisierenden und existenzsichernden Funktion vielleicht das Arbeitsmodell der Zukunft sein.

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